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Fallstudie · Technische Gebäudeausrüstung

KI-gestützte Wissensplattform für eine Ingenieurgruppe der technischen Gebäudeausrüstung

Eine Ingenieurgruppe mit rund 200 Mitarbeitenden an sechs Standorten verfügte über einen umfangreichen Projektbestand, jedoch über keinen einheitlichen Zugang dazu. Local4Local führte eine unternehmensweite Wissensplattform ein, überführte wiederkehrende Vorgänge in fachlich spezialisierte Assistenzsysteme und schuf den organisatorischen Rahmen für den geregelten Einsatz künstlicher Intelligenz.

Das Büro auf einen Blick
Branche

Technische Gebäudeausrüstung, Gebäudesimulation, Consulting

Struktur

Gruppenstruktur mit sechs Standorten

Größe

Rund 200 Mitarbeitende

Ausgangspunkt

Erste KI-Erfahrungen einzelner Mitarbeitender, kein verbindlicher Rahmen

Systemlandschaft

Microsoft 365, SharePoint, OneDrive, gemeinsame Postfächer, Netzlaufwerke, ERP

Ergebnis

Zentrale Wissensplattform, sechs Fachagenten, KI-Leitfaden mit Nachweis

Ein gewachsener Datenbestand ohne einheitlichen Zugang

Der Projektbestand der Gruppe verteilte sich auf SharePoint, OneDrive, gemeinsame Postfächer, Netzlaufwerke und das ERP-System. Jede dieser Ablagen war für ihren jeweiligen Zweck sachgerecht aufgebaut. In der Summe entstand jedoch keine durchgängige Sicht auf ein Projekt, und die Recherche nach zurückliegenden Vorgängen band regelmäßig qualifizierte Arbeitszeit.

Parallel hatten einzelne Mitarbeitende bereits mit KI-Werkzeugen gearbeitet, ohne dass Vorgaben zur Datenweitergabe, zur Prüfung der Ergebnisse oder zur Dokumentation der Unterweisung vorlagen.

Ausgangspunkt des Projekts war nicht die Auswahl eines Werkzeugs, sondern die Frage, welches Wissen im Unternehmen vorliegt und wie es verlässlich zugänglich wird.

Befunde der Ausgangsanalyse

Projektwissen ohne einheitlichen Zugriff

Vorgänge aus abgeschlossenen Projekten sind in Ingenieurbüros eine wesentliche Grundlage für die Bearbeitung vergleichbarer Aufgaben. Ihre Verwertbarkeit setzt jedoch voraus, dass sie auffindbar sind. In der Gruppe lag das entsprechende Wissen über mehrere Systeme verteilt vor, ohne übergreifende Recherchemöglichkeit und ohne einheitliche Zuordnung zum jeweiligen Projekt.

Der wirtschaftliche Effekt zeigt sich weniger in einzelnen Fehlern als in der Wiederholung bereits erbrachter Leistungen. Berechnungen, Formulierungen und Abstimmungen entstehen erneut, obwohl sie im Bestand vorliegen.

Fehlende Nutzungsregeln und offene Nachweispflicht

Artikel 4 der europäischen KI-Verordnung verpflichtet Unternehmen seit dem 2. Februar 2025, für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz bei den Beschäftigten zu sorgen, die entsprechende Systeme einsetzen. Es handelt sich um eine Organisationspflicht mit Nachweischarakter. Eine Nutzung ohne dokumentierte Regeln, Rollen und Unterweisung lässt diese Anforderung offen.

Hinzu kommt die fachliche Dimension. Der Einsatz identischer Werkzeuge ohne gemeinsame Vorgaben führt zu unterschiedlichen Ergebnisqualitäten. In einem Unternehmen, das Planungsergebnisse verantwortet, ist dieser Punkt nicht nachrangig.

Manuelle Erstellung standardisierbarer Dokumente

Vergabevorschläge, Nachtragsbearbeitung und VOB-Schriftverkehr folgen festen Gliederungen, definierten Prüfschritten und gesetzlichen Fristen. Die Dokumente entstanden im Büro dennoch vollständig manuell und überwiegend durch Projektleitungen, deren Kapazität an anderer Stelle mit höherer Wertschöpfung eingesetzt werden kann.

Vorgehen

Schritt 01

Bestandsaufnahme der Datenquellen

Erhoben wurde, wo Projektwissen tatsächlich vorliegt, nicht wo es nach Ablagekonzept vorliegen sollte. Erfasst wurden SharePoint-Bibliotheken, OneDrive-Bereiche, gemeinsame Postfächer, Netzlaufwerke sowie die projektrelevanten Felder des ERP-Systems. Zu jeder Quelle wurden Zugriffsberechtigungen, Aktualität und die Einstufung der enthaltenen Daten dokumentiert.

Diese Erhebung bestimmt die Verlässlichkeit des späteren Ergebnisses. Eine Plattform, die auf einem ungeprüften Datenbestand aufsetzt, liefert Antworten von entsprechend eingeschränkter Aussagekraft.

Schritt 02

Aufbau der Wissensplattform

Auf dieser Grundlage wurde eine zentrale Plattform eingerichtet und an die relevanten Quellen angebunden. Die Verarbeitung erfolgt DSGVO-konform. Die Berechtigungen der Quellsysteme bleiben unverändert wirksam, Inhalte ohne Freigabe erscheinen nicht in den Ergebnissen.

Fachlich maßgeblich ist die Zuordnung von Suchanfragen zu Inhalten. Ingenieurbüros verwenden für denselben Sachverhalt je nach Standort, Auftraggeber und Entstehungszeitraum unterschiedliche Bezeichnungen. Ohne eine Verknüpfung dieser Begriffe bleibt eine Recherche unvollständig.

Schritt 03

Fachagenten entlang der Wertschöpfungskette

Anstelle eines allgemeinen Assistenten wurden sechs spezialisierte Agenten für jeweils einen wiederkehrenden Vorgang aufgebaut. Jeder Agent greift auf die Hausvorlagen, die einschlägigen Regelwerke und die im Unternehmen etablierten Formulierungen zu. Die fachliche Spezialisierung entscheidet darüber, ob ein System im Tagesgeschäft angenommen wird.

Schritt 04

Rahmen und Nachweis

Parallel zur technischen Umsetzung entstand ein KI-Leitfaden im Corporate Design des Unternehmens. Er unterscheidet drei Nutzungsstufen, benennt Rollen und Freigabewege und enthält einen Kenntnisnahme-Nachweis nach Artikel 4 der KI-Verordnung.

Der Leitfaden ist an den tatsächlichen Anwendungsfällen des Büros ausgerichtet und bewusst knapp gehalten. Regelwerke, die im Tagesgeschäft nicht gelesen werden, entfalten keine Steuerungswirkung.

Die sechs Fachagenten

Projekt-Analyst

Verdichtet den Stand eines Projekts über alle angebundenen Quellen und beantwortet Fragen zu Historie, Beteiligten und getroffenen Festlegungen.

E-Mail-Assistent

Erstellt Schriftverkehr in der Sprache des Hauses und ordnet eingehende Vorgänge dem zugehörigen Projekt zu.

Preisspiegel-Analyse

Stellt Angebote strukturiert gegenüber und weist auf Abweichungen und auffällige Einzelpreise hin.

Formblatt-Prüfung

Prüft eingereichte Vergabeformblätter auf Vollständigkeit und rechnerische Schlüssigkeit.

Vergabevorschlag

Erstellt den Vergabevorschlag in der Gliederung des Hauses als abgabefertiges Dokument.

VOB-Schriftverkehr

Erstellt fristwahrende Schreiben mit den jeweils einschlägigen Verweisen.

Ergänzend wurden ein Nachtragspotenzial-Analyst zur Prüfung von Vorgängen nach HOAI und BGB sowie eine Vertragsprüfung aufgebaut.

Ergebnis

Das Ergebnis

Übertragbarkeit

Übertragbarkeit auf vergleichbare Büros

Die Unternehmensgröße ist für dieses Vorgehen von nachrangiger Bedeutung. Maßgeblich ist die Struktur der wiederkehrenden Vorgänge.

Datenbasis vor Werkzeugauswahl

Die Erschließung des vorhandenen Wissens geht der Einführung einzelner Werkzeuge voraus. Assistenzsysteme ohne Zugriff auf den realen Projektbestand liefern allgemeine Formulierungen ohne fachlichen Bezug.

Fachliche Spezialisierung vor Funktionsbreite

Systeme, die einen abgegrenzten Vorgang vollständig abbilden und dabei die Hausvorlagen treffen, werden im Tagesgeschäft angenommen. Der Aufwand liegt in der Fachlogik und in den Vorlagen, nicht im eingesetzten Modell.

Organisatorischer Rahmen als Projektbestandteil

Nutzungsregeln, Freigabewege und der Nachweis nach Artikel 4 KI-VO gehören in dieselbe Projektlaufzeit wie die technische Umsetzung. Eine nachgelagerte Regelung trifft auf bereits etablierte Arbeitsgewohnheiten.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Einführung

Der Zeitbedarf richtet sich weniger nach der technischen Umsetzung als nach dem Zustand der Ablage. Die Anbindung der Quellen ist in wenigen Wochen möglich. Bestandsaufnahme, Berechtigungsprüfung und Begriffssystematik bestimmen den Gesamtzeitplan. Als erster Meilenstein empfiehlt sich ein produktiver Anwendungsfall, nicht die vollständige Plattform.

Ja. Die Plattform übernimmt die Berechtigungen der angebundenen Systeme. Inhalte, für die keine Freigabe vorliegt, erscheinen für die betreffende Person nicht in den Ergebnissen.

Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz bei den Personen zu sorgen, die diese Systeme in ihrem Auftrag einsetzen. Für ein Ingenieurbüro bedeutet dies eine Regelung des zulässigen Einsatzes, eine Unterweisung der Beteiligten und deren Dokumentation. Die Darstellung ersetzt keine Rechtsberatung.

Nein. Die Anbindung beginnt bei den Quellen mit dem höchsten Anteil am gesuchten Projektwissen, in der Regel Projektablage und Schriftverkehr. Weitere Quellen folgen nach Vorliegen der ersten Ergebnisse.

Nein. Die Assistenzsysteme übernehmen die Struktur der Vorgänge, nicht deren fachliche Verantwortung. Prüfung und Freigabe verbleiben bei den zuständigen Fachpersonen und sind im Leitfaden entsprechend geregelt.

Vergleichbare Ausgangslage im eigenen Büro

Verteiltes Projektwissen, KI-Nutzung ohne verbindlichen Rahmen und manuell erstellte Standarddokumente treten in Ingenieurbüros regelmäßig gemeinsam auf. Ein Erstgespräch klärt, welche Datenquellen sich erschließen lassen und welche Vorgänge für eine Automatisierung in Betracht kommen.